Zusammenfassung:

Leuchten mit LED Lichtquellen haben mittlerweile einen beträchtlichen Marktanteil und werden in Zukunft wohl einen deutlich größeren Anteil am Leuchtenmarkt haben. Leider erlaubt in vielen Fällen die LED Technologie keine Erzeugung von photometrischen Daten im üblichen Sinne mittels relativer Photometrie. Oftmals ist eine Trennung von Leuchte und „Lampe“ -also LED Chip oder Cluster- nicht möglich oder führt aufgrund des völlig unterschiedlichen thermischen Zustandes zu unterschiedlichen Werten. Eine Möglichkeit, um dieses Problem zu umgehen, wäre die Erzeugung absolut photometrierter Datensätze. Das in Nordamerika weit verbreitete IES LM63 Format sieht eine Unterscheidung zwischen relativer und absoluter Photometrie im Datensatz vor. 

 

Dieses Dokument beschreibt wie eine EULUMDAT Datei zu erzeugen und zu interpretieren ist, um keine relativen, sondern absolute Photometrie-Daten zu beinhalten. Dies ist ein gemeinsamer Vorschlag von Ian Ashdown, Lighting Analysts und DIAL. 

 

 

Motivation:


Die Leuchtenindustrie wird für bestimmte Produkte keine relativen Datensätze erzeugen können bzw. Kunden werden im US amerikanischen Markt für SSL Leuchten absolut photometrierte Datensätze nachfragen. Das in Europa weit verbreitete Datenformat „EULUMDAT“ sieht eine solche Anwendung nicht vor. Um ohne große Änderungen an Laborsoftware und Lichtplanungssoftware im bestehenden etablierten Format auch absolut photometrierte Leuchten zu behandeln, ist eine geringfügige, ergänzende Definition notwendig.

 

Ian Ashdown, Lighting Analysts (AGI32) und DIAL (DIALux) haben sich auf eine gemeinsame

Vorgehensweise zur Interpretation von EULUMDAT Datensätzen geeinigt, die auch die

Abbildung von absolut photometrierten Datensätzen erlaubt. Es wäre vorteilhaft für die gesamte

Branche, wenn sowohl Leuchtenhersteller, als auch die Hersteller von Lichtmesstechnik, die Anbieter von Messdienstleistungen und die Hersteller von Lichtplanungs- und Berechnungssoftware einheitlich vorgehen. 

 

Umsetzung:


Ohne eine Änderung an der eigentlichen Struktur des EULUMDAT Formates vorzunehmen, kann eine EULUMDAT Datei absolute Werte repräsentieren, wenn folgende Zeilen entsprechend interpretiert werden:

 

Zeile

Bezeichnung im EULUMDAT

Wert bei absoluter Photometrie

Bemerkung

26 

Anzahl der Standard-Bestückungen

1 

1

26a 

Anzahl der Lampen 

–n (Indikator für absolute

Photometrie, Anzahl der Lichtquellen)

2

26b 

Typ der Lampe 

<Unverändert> 

3

26c

Gesamt-Lichtstrom der Lampen

Lichtstrom (lm) der Leuchte

4

 

 

 

 

30

Lichtstärke-Verteilung (cd/klm)

<Unverändert>

5

 

Bemerkungen

1. Zeile 26. Bei absoluter Photometrie kann nur eine Standard-Bestückung vorliegen. Der Wert ist festgelegt auf „1“ und kann nicht verändert werden. 

2. Zeile 26a. Die Anzahl der Lampen ist eigentlich unwesentlich und aussagelos für die absolute Photometrie. Dennoch kann die Angabe der Anzahl der Lichtquellen nützlich sein, um z. B. die Anzahl der in der Leuchte verwendeten LEDs hier anzugeben. Dieser Wert wird mit negativem Vorzeichen angegeben. Durch das negative Vorzeichen ist festgelegt, dass es sich bei dieser Datei um eine Datei mit absoluter Photometrie handelt!

3. Zeile 26b. Die Angabe des Typs der Lampe ist rein informativ. Es kann sich hier z. B. um eine ILCOS, LBS oder Hersteller-Bezeichnung handeln.

      4. Zeile 26c. Da es sich um absolute Photometrie handelt, wird an dieser Stelle der Leuchtenlichtstrom angegeben. Es handelt sich nicht um den Lampenlichtstrom. Ein wesentlicher
      Vorteil dieser Interpretation der Daten ist, dass der Lichtstrom der Leuchte nachträglich verändert werden kann. Es kann die Lichtstärkeverteilung einer willkürlich ausgewählten Leuchte
      im Goniophotometer gemessen werden. Um hinsichtlich des mittleren Lichtstromes dieser Leuchtentype Sicherheit zu erhalten, kann eine Reihenmessung einer Vielzahl Leuchten
      gleichen Typs z. B. in einer U-Kugel erfolgen. Der ermittelte mittlere Lichtstrom kann dann in der EULUMDAT Datei eingetragen werden. Ferner können auch technische
      Verbesserungen, die zu einer Erhöhung des Lichtstromes bei gleicher LVK führen, abgebildet werden.
      5. Zeile 30. Alle Werte werden in Candela pro Kilolumen [cd/klm] angegeben. Keine Änderung zum existierenden Format.
Diese Interpretation ist vollständig kompatibel zu bisherigen EULUMDAT Datensätzen.

 

 

Anwendung:


Da keine Änderungen an der eigentlichen EULUMDAT Formatspezifikation notwendig sind, kann die Unterstützung absoluter Photometrie in EULUMDAT Datensätzen umgehend erreicht werden. Die Zuständigkeiten der verschiedenen beteiligten Parteien sind:

1. Lichttechnische Labore:

            • Anwendung des negativen Vorzeichens in Zeile 26a („-n“-Indikator), um absolut photometrierte Datensätze zu kennzeichnen
            • Durchführung von Messungen der SSL Leuchten und Dokumentation der Daten in Form absoluter Photometrie-Datensätze
            • Gegebenenfalls Erweiterung der Mess-Software zur Durchführung absoluter Messungen

2. Leuchtenhersteller:

 Fordern bzw. Erzeugen von EULUMDAT Dateien mit negativem Vorzeichen “– n” in Zeile 26a für Produkte, die Daten in Form absoluter Photometrie-Datensätze erfordern, wie zum

  Beispiel LED Leuchten oder Leuchten mit nicht entfernbaren Lichtquellen

3. Hersteller von Lichtplanungssoftware:

            • Anpassung zukünftiger Versionen, um EULUMDAT Dateien mit absoluter Photometrie richtig einzulesen und als solche anzuzeigen
            • Kennzeichnung absolut photometrierter Leuchtendaten in der Software
            • Keine Angabe von Leuchtenbetriebswirkungsgraden bei absoluter Daten
            • Evtl. stattdessen Angabe der Leuchten-Lichtausbeute (Anschlussleistung / Leuchtenlichtstrom)